Die geheime Trainingsmethode des Olympiasiegers

Die Olympischen Spiele in Rio liegen gerade hinter uns, Fußball, Handball und Co. starten bereits in die neue Saison und wieder kann der interessierte Beobachter die „neuesten“ Trends im Trainings- und Therapiebereich bestaunen. Gerne wird dabei kopiert, was die aktuellen Olympiasieger und letztjährigen Meister zu ihren Goldmedaillen bzw. Meisterschaften verholfen hat. Gleichzeitig nutzt der gewiefte Marketing-Experte diesen Anlass zum Verkauf spezieller Trainingsprogramme oder 

Trainingswerkzeuge - als das Geheimnis der Champions. Doch die eigentliche Frage, die wir uns stellen sollten: Ist die oder der Sportler/in aufgrund oder trotz Methode X so erfolgreich?

Nehmen wir an, Herr Bolt hat tatsächlich Knieanziehen mit Bandwiderstand oder gar Sit-Ups mit Langhantel auf einem GHR (Glut Ham Raise) verwendet: Können wir daraus schließen, dass dies zum Erfolg führte? Das er aufgrund der Sit-Ups oder Power Lunges so schnell war? Oder könnte es sein, dass Usain Bolt trotz dieser Übungen drei Mal Gold erlief? Ja, gar 98 Prozent des Trainings, wie die Jahre zuvor anging und diese neuen Techniken rein gar nichts zum Gewinn der Medaillen beigetragen haben?

Genauso wurde Michael Phelps mit komischen Tassen auf dem gesamten Rücken gezeigt, das sogenannte Cupping (zu deutsch: Schröpfen). Davon mal abgesehen, dass diese Behandlungsform bereits über 3.000 Jahre alt sein soll, fehlen noch zuverlässigen Daten über die Wirkung. Viel mehr stellt sich wieder die Frage, ob genau das den Unterschied ausgemacht hat.

Doch schon sehe ich einige Leistungssportler mit riesigen Knutschflecken auf dem Rücken oder irgendwelchen Zirkustricks im Kraftraum ausführen. Es wird fleißig übernommen, kopiert und nachgeeifert, ohne die Relevanz und vor allem das Risiko solcher Techniken zu überprüfen. 

Und selbst wenn diese Maßnahmen zum Erfolg führten - kann ich diese eins zu eins auf einen anderen Athleten übertragen? Funktionieren sie bei Usain Bolt genauso wie bei einem Fußballer auf Amateurniveau? Ein Sportler mit über zwanzig Jahre Trainingsalter (nicht Lebensalter, sondern die Zeit, die er seinen Sport bzw. das Training betreibt) auf dem Buckel, reagiert sicher anders, als ein Zwanzigjähriger, der vielleicht zehn Jahre trainiert hat. Nur weil es mich als Coach cool aussehen lassen würde, macht es keinen Sinn einem Sportler mit zwei Jahren Krafttrainingserfahrung die Kontrast-Methode ausführen zu lassen.

Für mich hingegen besteht ein viel größeres Interesse an dem, was Bolt oder Phelps bereits über zehn Jahre im Trainings- oder der Behandlungsbereich anwenden. Welche Übungen, welche Intervallformen, welche Periodisierung oder Erholungsstrategien etc. bilden ihre Basis - langfristig? Hier liegt, neben den vielleicht genetisch nahezu perfekten Voraussetzungen, der eigentliche Schlüssel zu einer jahrelangen Dominanz.

Daher mein Appell an alle Athleten, Trainer und Therapeuten: Setzt in erster Linie auf bewährte und tausendfach getestete Verfahren, Werkzeuge und Methoden. In 95 Prozent der Fälle kommen wir mit den guten „alten“ Basics am weitesten. Das Rad wird nicht neu erfunden. Betrachtet den Trainingsprozess langfristig, springt nicht von Trend zu Trend und überprüft, was ihr bzw. der Athlet wirklich braucht. 

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